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Der Grausamkeit bewusst sein

Blickfang vom 27. Januar 2012

Wikimedia Commons (CC)

Terezín? Oświęcim? Sagen Ihnen diese Namen etwas? Haben Sie schon mal von einem Mädchen aus Frankfurt gehört, das lange Zeit in Amsterdam lebte und über Westerbork nach Bergen-Belsen kam? Was fällt Ihnen zu den deutschen Orten Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen ein? Kennen Sie den Hintergrund für Willy Brandts Kniefall von Warschau? Haben Sie eine Ahnung, warum ich diese Frage gerade heute, am 27. Januar, stelle?

Wenn Sie all diese Fragen richtig beantworten können, freue ich mich sehr über einen aufgeklärten Leser, der über das schlimmste Kapitel der deutschen Geschichte informiert ist. Für alle, die noch nicht den Durchblick haben, ergänze ich mal ein paar Namen und Begriffe: Theresienstadt, Auschwitz, Anne Frank, Konzentrationslager, Warschauer Ghetto, Holocaust-Gedenktag. Wer jetzt immer noch nichts verstanden hat, trägt eine große Leere zwischen seinen Ohren.

In scheinbar modernen, aufgeklärten Zeiten sorgt eine Gruppe für negative Schlagzeilen, die sich „nationalsozialistischer Untergrund“ nennt und damit eine direkte Verbindung zu Schwerstverbrechern herstellt, die in der Zeit von 1933 bis 1945 die Grenzen der Vorstellungskraft bezüglich Hass, Brutalität und Gnadenlosigkeit sprengten. Man kann es auch anno 2012 nicht laut genug sagen. Jeder Mensch, erst recht in Deutschland, muss sich dessen bewusst sein, was damals passierte. Wissen ist wichtig, aber Bewusstsein noch wichtiger.

Rund sechs Millionen Juden fielen dem Holocaust respektive der Schoah zum Opfer. Mindestens eine Million unschuldiger Menschen starben allein im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Menschen starben auf brutalste Weise, weil sie nicht in Hitlers verkehrtes Weltbild passten. Sie wurden vergast, erschossen oder verprügelt. Andere fielen Verletzungen, Krankheiten und den katastrophalen Bedingungen in den Lagern zum Opfer. Zuvor waren sie systematisch diskriminiert und ausgegrenzt worden. Die Tagebücher von Anne Frank oder Rutka Laskier liefern eindrucksvolle Zeugnisse dieser erst psychologischen und schließlich körperlichen Vernichtung.

Die Stimmen der Toten klingen noch heute sehr eindringlich und wir müssen sie jeden Tag hören, nicht nur am heutigen Gedenktag. Das schreckliche Geschehen lässt sich nicht rückgängig machen. Aber wir können uns mit aller Macht unseres freiheitlichen, demokratischen Geistes dafür einsetzen, in Zukunft solche unmenschlichen Grausamkeiten zu verhindern.

Lesen Sie die Tagebücher!
Schauen Sie sich die seriösen Dokumentationen und Spielfilme an!
Lassen Sie das Grauen der Todesstätten vor Ort auf sich wirken!
Warnen Sie vor Menschen mit einer feindlichen Gesinnung!
Erheben Sie ihre Stimme gegen jeden Angriff auf die Menschlichkeit!

Blickfang im Rückblick


Dieser Artikel stammt aus Markus Schnitzlers Internet-Magazin „Kein Blatt“.
Den Original-Text und weitere Informationen lesen Sie online unter www.kein-blatt.de.
Dokument ausgedruckt am 20. Mai 2012 um 15:20 Uhr
© 2012 Markus Schnitzler, Düren