Der Grausamkeit bewusst sein
Blickfang vom 27. Januar 2012
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Terezín? Oświęcim? Sagen Ihnen diese Namen etwas? Haben Sie schon mal von einem Mädchen aus Frankfurt gehört, das lange Zeit in Amsterdam lebte und über Westerbork nach Bergen-Belsen kam? Was fällt Ihnen zu den deutschen Orten Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen ein? Kennen Sie den Hintergrund für Willy Brandts Kniefall von Warschau? Haben Sie eine Ahnung, warum ich diese Frage gerade heute, am 27. Januar, stelle?
Wenn Sie all diese Fragen richtig beantworten können, freue ich mich sehr über einen aufgeklärten Leser, der über das schlimmste Kapitel der deutschen Geschichte informiert ist. Für alle, die noch nicht den Durchblick haben, ergänze ich mal ein paar Namen und Begriffe: Theresienstadt, Auschwitz, Anne Frank, Konzentrationslager, Warschauer Ghetto, Holocaust-Gedenktag. Wer jetzt immer noch nichts verstanden hat, trägt eine große Leere zwischen seinen Ohren.
In scheinbar modernen, aufgeklärten Zeiten sorgt eine Gruppe für negative Schlagzeilen, die sich „nationalsozialistischer Untergrund“ nennt und damit eine direkte Verbindung zu Schwerstverbrechern herstellt, die in der Zeit von 1933 bis 1945 die Grenzen der Vorstellungskraft bezüglich Hass, Brutalität und Gnadenlosigkeit sprengten. Man kann es auch anno 2012 nicht laut genug sagen. Jeder Mensch, erst recht in Deutschland, muss sich dessen bewusst sein, was damals passierte. Wissen ist wichtig, aber Bewusstsein noch wichtiger.
Rund sechs Millionen Juden fielen dem Holocaust respektive der Schoah zum Opfer. Mindestens eine Million unschuldiger Menschen starben allein im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Menschen starben auf brutalste Weise, weil sie nicht in Hitlers verkehrtes Weltbild passten. Sie wurden vergast, erschossen oder verprügelt. Andere fielen Verletzungen, Krankheiten und den katastrophalen Bedingungen in den Lagern zum Opfer. Zuvor waren sie systematisch diskriminiert und ausgegrenzt worden. Die Tagebücher von Anne Frank oder Rutka Laskier liefern eindrucksvolle Zeugnisse dieser erst psychologischen und schließlich körperlichen Vernichtung.
Die Stimmen der Toten klingen noch heute sehr eindringlich und wir müssen sie jeden Tag hören, nicht nur am heutigen Gedenktag. Das schreckliche Geschehen lässt sich nicht rückgängig machen. Aber wir können uns mit aller Macht unseres freiheitlichen, demokratischen Geistes dafür einsetzen, in Zukunft solche unmenschlichen Grausamkeiten zu verhindern.
Lesen Sie die Tagebücher!
Schauen Sie sich die seriösen Dokumentationen und Spielfilme an!
Lassen Sie das Grauen der Todesstätten vor Ort auf sich wirken!
Warnen Sie vor Menschen mit einer feindlichen Gesinnung!
Erheben Sie ihre Stimme gegen jeden Angriff auf die Menschlichkeit!
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Ein Jahr zum Vergessen
Blickfang vom 31. Dezember 2011
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Nun haben wir ihn erreicht. Heute ist der letzte Tag des Jahres. Nachdem die Medien ihre Rückblicke bereits in den unterschiedlichsten Formen präsentiert haben, möchte ich nun an Silvester auch mal auf die vergangenen zwölf Monate zurückschauen. Dabei merke ich schnell, dass 2011 ein Jahr zum Vergessen war. Nein, nein, es war bestimmt nicht alles schlecht in dieser Zeit. Im Gegenteil: Es gab mindestens genauso viele erfreuliche wie traurige Themen. Aber es waren halt sehr viele. Da vergisst man schnell Ereignisse, die zum Zeitpunkt ihres Geschehens als historisch galten und die Schlagzeilen wochenlang dominierten.
Kennt jemand von Ihnen beispielsweise noch die Seuche, die uns in Form der vier Buchstaben EHEC begegnete. Die Reihe der Verdächtigen umfasste weite Teile der Gemüse-Abteilung. Menschen erkrankten schwer und viele Bürger hatten Angst beim Essen, während Bauern um ihre Existenz fürchteten. Heute ist der Schrecken so weit weg wie Rinderwahnsinn oder Vogelgrippe. Ja, EHEC war in diesem Jahr. Im Frühling.
Apropos Frühling. Im arabischen Raum versteht man darunter mittlerweile eine Kette von Revolutionen, die mit atemberaubender Geschwindigkeit mehrere Diktatoren aus ihren Palästen vertrieb. Ben Ali in Tunesien – weg! Mubarak in Ägypten – weg! Salih in Jemen – weg! Gaddafi in Libyen – tot! Assad in Syrien – fast weg! Bei dieser Kettenreaktion verkam der Erfolg der USA am 2. Mai fast zur Randnotiz. Aber Osama bin Laden ist mittlerweile auch tot!
Überhaupt diese Liste der Verstorbenen: Bernd Eichinger, Peter Alexander, Liz Taylor, Jorge Semprún, Amy Winehouse, Loriot, Steve Jobs, Joe Frazier, Václav Havel – sie alle verließen traurig, tragisch oder auch selbstverschuldet die Bühne des Lebens. Selbst der ewige Schauspieler Jopie Heesters starb in diesem Jahr.
Bei anderen Menschen starben nur Träume und Ambitionen. Herzlich willkommen in der Politik 2011. Möchtegern-Politiker zu Guttenberg schaffte erst die Wehrpflicht und dann sich selbst ab. Die Internet-Gemeinschaft war schlauer als der Baron. Hormongesteuerte Männer wie Berlusconi und Strauss-Kahn hatten Sex, aber kein Ansehen mehr. Sie waren nur noch zwischen den Oberschenkeln mächtig. Philipp Rösler wollte die klinisch tote FDP verzweifelt wiederbeleben. Er endete bei 1,8 Prozent im Wahlergebnis und als Witzfigur Fipsi bei Stefan Raab. Monsieur Sarkozy ließ seine Frau mit dem neugeborenen Kind allein, um sich gemeinsam mit seiner Busenfreundin Angela Merkel in der Dauer-Krise zu blamieren. Die irren Finanzmärkte regulieren? Die europäische Einigung vorantreiben? Den Armen helfen? Das Klima retten? Nein. Non. Merkozy betonen einfach, die deutsch-französische Dominanz in Europa. Wir sind ja hier schließlich nicht in Arabien, wo die einfachen Menschen mittlerweile was zu sagen haben. Wir sind das Volk? Nein, danke! Wir wurden zwar dieses Jahr beim Zensus gezählt, aber von der Politik nicht beachtet.
Die Demonstranten konnten sich letztlich auch in Stuttgart nicht durchsetzen. Sie wissen schon, da ging es mal um einen Bahnhof, den der erste grüne Ministerpräsident unter dem Druck der Deutschen Bahn nun doch in der Erde versenken muss. Ach ja, die Grünen. Die waren die Gewinner des ersten Halbjahres, als sich die schwarz-gelbe Gefahr in der Bundesregierung angesichts der schwarz-gelben Gefahr in Japan wie ein Fähnchen im Wind drehte. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass zur extremen Naturkatastrophe auch ein Erdbeben und ein Tsunami gehörten. Unser Wetter war da trotz Schneemassen, Sommerregen und Herbstdürre doch ziemlich angenehm. Aber zurück zu den Grünen. In den letzten Monaten wurde die Ökopartei von einer Digitalpartei verdrängt. Piraten vermutete man zu Beginn des Jahres noch vor der Küste Somalias oder beim Fluch der Karibik. Nun kam der Fluch der politischen Piraten über die kriselnden anderen Parteien. Ein weiterer Triumph des Internets.
Weniger vernetzt waren unsere strafrechtlichen Ermittlungsbehörden. Deshalb glaubten sie nicht, dass zwischen diversen Morden ein Zusammenhang bestehen könnte. Terroristen? Die gibt es doch nur in Diktaturen oder auf einer kleinen norwegischen Insel namens Utøya. Ach ja? Und was war damals mit der RAF? Jetzt haben wir den NSU am Hals. Extremisten aus Zwickau. Was hätte der Papst vor ein paar Monaten wohl dazu gesagt, als er Deutschland besuchte? Sein Vorgänger wurde übrigens dieses Jahr seliggesprochen. Selig fühlten sich die Royal-Fans bei der Hochzeit von William und Kate. Naja, manche Männer eher beim Anblick von Pippas Po. Eine andere junge Frau versuchte die Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf. Der Opening Act blieb in Erinnerung, aber der Sieg war taken by a stranger from Azerbaijan. Bleibt nur noch eine Frage an das ZDF: Findet der Sender eher einen Moderator für „Wetten dass“ oder den Mut, die veraltete Sendung sterben zu lassen. Schon wieder das Thema Tod. Schluss für heute!
Na? An wie viele der Ereignisse, die ich jetzt in meinem Schnelldurchlauf für das Jahr verarbeitet habe, konnten Sie sich noch erinnern? Da gab es wohl das eine oder andere Aha-Erlebnis. Wenn Ihnen das Jahr 2011 nicht gefallen hat, vergessen Sie es einfach. Ich wünsche Ihnen jedenfalls viele positive Erlebnisse anno 2012!
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Bei Jenix gibt es keine Grenzen
Blickfang vom 11. Dezember 2011
 eigenes Bild
Die Menschen lieben Höchstleistungen und Extreme. Es gibt Tage, an denen man sich fragt, wie man etwas, das man bereits im Bereich des Perfekten verortet hat, noch weiter steigern kann. Sportler streben nach neuen Rekorden. Musiker ziehen hingegen bei einer Tour durchs Land und präsentieren überall mehr oder weniger das gleiche Programm. Da erscheint es deutlich schwieriger, von Konzert zu Konzert noch größere Begeisterung zu entfachen, vor allem bei Fans, die schon einige Mal dabei waren und die Setlist kennen. Dass es dennoch möglich ist, konnten die Besucher am gestrigen Samstagabend in der Dürener Endart erleben. Jenix war zu Gast in meiner Heimatstadt und brachte das Publikum richtig in Schwung.
Regelmäßigen Lesern meines kleines Magazins brauche ich die junge Band aus Zittau nicht mehr vorzustellen (alle anderen sehen sich die älteren Beiträge an). Jenny und ihre Jungs sind zwar geografisch eine Randgruppe, aber musikalisch sind sie einfach extrem gut. Während die Vorband artig ihr Programm durchzog, ohne echte Stimmung zu bringen, braucht Jenix nur wenige Sekunden, um die Fans zu begeistern. Ein paar Intro-Takte aus den Instrumenten von Happy, Krosty und Jan, schon klatschen die Menschen vor der Bühne, als Jenny diese betritt. „Soulmate“ bringt gleich den richtigen Rhythmus, um sich mitreißen zu lassen, und wenig später entdeckt man seine spontane Begeisterung fürs Pogo-Hüpfen, obwohl man dieses Tanzen mit Anrempeln früher sehr albern fand. Bei ruhigen Balladen über Luftschlösser kann man sich dann ja wieder entspannen. Nur nicht zu lange, denn die Stille soll ja schließlich sterben. Der Wunsch, beim Heimspiel das Spray-Shirt auf der Bühne zu bekommen, erfüllte sich beim Heimspiel nicht, doch dem Martin gönne ich es. Aber nur kucken, nicht anfassen, Martin. Dafür gehöre ich zu den Glücklichen, die Jennys direkten Kontakt zu den Fans bei „Mantastic“ spüren.
Jans Waschbrett darf natürlich nicht fehlen, wenn Jenix wieder den Ausflug in die Country-Szene wagt. Dank der Setliste, die ich mir nach dem Konzert gesichert habe, weiß ich nun auch, wie dieser schöne Song heißt; es ist der „Folsom Prinson Blues“ von Johnny Cash. Jennys spitze Bemerkung über Männer und Wäsche gibt es gratis dazu. Was tut man, wenn die Fans schon sehr gut mitsingen und trotzdem noch heißer werden sollen? Richtig, man nehme den größten und beliebtesten Hit, den alle kennen. Bei Jenix heißt die Hymne „Here we go again“. Praktischerweise hat dieses Lied nicht nur einen Ooooohoooooh-Teil, sondern auch ein paar Zeilen „up and down“. Ein bisschen Gymnastik hat noch keinem geschadet. Im Hintergrund, der zuvor schon Livebilder zeigte, sind Szenen aus dem Musikvideo zu sehen. Kurz vor Schluss lässt es die Band dann noch mal richtig krachen. Bei „Break down“ stehen die Instrumente kurz vor dem Zusammenbruch und leuchtende Farbe im Gesicht sorgt für eine noch bessere Show.
Wundert es noch irgendwen, dass die Fans eine Zugabe fordern? Einer geht noch! Da kommen die vier jungen Zittauer doch gerne zurück auf die Bühne und entzünden ein Feuer, musikalisch jedenfalls. Sagte ich gerade, einer geht noch? Wir rufen die Band noch ein zweites Mal zur Zugabe. Sie kommen hier noch nicht raus. No way out! Auch nachdem endgültig die letzten Live-Töne aus den Lautsprechern gekommen sind, bleibt Jenix bei den Fans. Autogramme, gemeinsame Fotos und etwas Smalltalk gehören einfach dazu. Erst recht für eine Band, die vor hundert Zuschauern mit der gleichen Leidenschaft auftritt wie bei einem großen Festival. Liebe zur Musik ist die wichtigste Voraussetzung für solche Höchstleistungen.
Meine Bilder vom Heimspiel-Konzert gibt es im Flickr-Album.
Meine Videos sind bei Youtube zu sehen: Kill the silence – Moon.
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